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Werdegang der AFRA AG & Theiler-Automaten

Autor: René Theiler 17.05.2018
Africana Winterthur
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Nach 15 Jahren erfolgreicher Arbeit als en gros  Verkäufer für Polstermöbel und 25-jähriger Musikertätigkeit entschloss sich mein Vater René Theiler sen. für das Gastgewerbe. Mit seinen Ersparnissen übernahm er anfangs August 1963 eine Liegenschaft an der Neustadtgasse 29 in Winterthur und gründete gleichzeitig eine Aktiengesellschaft, die AFRA AG.

In diese Liegenschaft baute er ein alkoholfreies "Music-Café" für junge Leute mit dem Namen "AFRICANA". Inspiriert für dieses Unterfangen wurde er in erster Linie durch viele Jugendliche in Winterthur, welche damals keinen Treffpunkt hatten, wo sie "ihre" Musik unter sich geniessen und auch spielen konnten.

Africana SG-1
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Mein Vater stellte eine total neue Music-Box mit 200 der modernsten Pop-Platten in dieses Lokal und richtete dieses auf total afrikanisch ein. Dies war von Anfang an ein durchschlagender Erfolg, zumal er sehr viele junge Pop-Bands aus England und aus der Winterthurer Szene engagierte. Sein System beruhte auf den billigen Preisen (Cola + Café 80 Rp.)und dem jeweiligen 2-Stunden-Wechsel des Publikums. Jeden Dienstag organisierte er einen Jazz-Abend inklusive seiner persönlichen Mitwirkung am Piano.

Africana SG
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Vom Erfolg beflügelt, liess er sich überreden, in St.Gallen auch ein "AFRICANA" zu bauen. Er fand unter gütiger Mithilfe vieler junger St.Galler "AFRICANA"-Besucher eine grosse Liegenschaft an der Goliathgasse 28 im Zentrum von St.Gallen. Mit meiner Mutter Elfriede zusammen bauten sie ein wunderschönes 2-stöckiges "AFRICANA" mit rund 200 Plätzen.

 

Im Zentrum des Lokals installierten sie natürlich eine Musikerbühne und waren dann in der Lage, auch sehr bekannte Bands wie

Jimmy and the Rackets
Jimmy and the Rackets
Genesis
Genesis
AGD
Ashton/Gardner & Dike

 

ELP
Emerson/Lake & Palmer
Pink Floyd
Pink Floyd

 

                                                                                          

Arthur Brown
Arthur Brown
Ekseption
Ekseption aus Holland
The Young Ones
The Young Ones aus Deutschland

 

Sauterelles
Sauterelles

sowie The Lords, Audience und viele weitere Bands aus England aber auch diverse international bekannte Gruppen wie die damals sehr berümten Austrian Beatles aus ganz Europa in unseren mittlerweile weit über die Grenzen bekannten Lokalen zu engagieren.

Jeden Montag war Jazz-Abend und ausserdem veranstalteten wir auch die jeweils 4 Tage dauernden ?St.Galler-Jazztage" mit Bands aller Jazz-Stil-Richtungen wie Dixieland, Swing, Modern Jazz etc. aus halb Europa. Eine besondere Attraktion war jeweils am Dienstag unser sehr beliebter und auch von meinem Vater persönlich präsentierten JE-KA-MI, wo sich Gäste aus nah und fern produzieren konnten. Gleichzeitig hatte er Erfolg mit eingebundenem Quiz an diesem Abend.

 

Albani
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Im Jahr 1966 wurde uns in Winterthur das bekannte Unterhaltungs- und Konzertlokal "ALBANI" zur Miete angeboten und wir bauten dieses 1968 in nur 4 Monaten total um. Die Neueröffnung war am 19. März 1969 und wir hatten erstmals ein Lokal mit Alkohol und demnach eine neue Generation junger Tanzlustiger. Im "ALBANI" hatten wir täglich eine Live-Band (Monatsengagement) und es war wiederum ein grosser Erfolg. Allerdings hatte Winterthur damals um 23.oo Uhr Polizeistunde, sodass uns dieser Betrieb ziemlich teuer zu stehen kam. In der Folge übernahmen wir dann auch noch für kurze Zeit das bekannte Tanzlokal "TENNE" in Konstanz, das aber wegen der sehr hohen Steuern unrentabel war.

Touring
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Im Jahr 1972 wurden uns die Betriebe "AFRICANA" Winterthur und St.Gallen zuviel, zumal meine Mutter auf ärztlichen Rat hin zurückstecken musste. In der Folge verkauften wir die beiden Liegenschaften und zogen um nach Frauenfeld,

wo wir das Hotel "TOURING" übernahmen. Das war ein sehr vielseitiger Betrieb mit Restaurant, Pub, Espresso-Bar und Dancing sowie Hotel. Auch hier hatten wir mit viel Schweiss und Einsatz wieder grossen Erfolg, doch verkauften wir ihn am 1. Okt. 1979, weil wir mittlerweile gegenüber eine Liegenschaft kaufen konnten mit Restaurant und leerem grossen Ladenlokal. Wir vermieteten das Restaurant ?ANKER" und richteten im Ladenlokal einen Spielsalon mit ca. 25 Maschinen aller Art ein. Bald sahen wir aber ein, dass die Apparate sehr kurzlebig waren und wir für diese Maschinen neue Plätze suchen mussten. Dies gelang uns insofern, als dass wir immer wieder eine Restaurant-Liegenschaft kauften, diese vermieteten und unsere Automaten darin aufstellten. Somit hatten wir immer wieder neue Geräte in unserem Spielsalon und hatten gleichzeitig mehr Aufstellplätze. Mittlerweile hatten wir 22 eigene Restaurantliegenschaften plus 3 gemietete Lokale. In unseren 3 Spielsalons beschäftigten wir 6 bis 7 Personen und in unserer grossen Automaten-Werkstatt an der Zürcherstrasse 373 in Frauenfeld sorgten sich 4 Techniker um das Wohl unserer etwa 160 Kunden in der ganzen Ostschweiz und um die zirka 1000 Spielautomaten aller Art, die gepflegt, getestet, repariert und ersetzt werden mussten.

Der frühere Sitz der AFRA AG Winterthur wurde 1988 nach Frauenfeld verlegt.

Leider wurden uns von den Behörden immer wieder einschneidende Massnahmen aufgezwungen, so dass dieses Geschäft je länger wie schwieriger wurde. Seit April 2005 sind nun denn auch alle Geldspielgeräte in der ganzen Schweiz verboten worden, so dass wir gezwungen waren, alle unsere Mitarbeiter zu entlassen, da die Einnahmen der noch erlaubten Unterhaltungsgeräte einen solchen Aufwand nicht mehr decken konnten. Auch die neu erlaubten ?Geschicklichkeits-Gewinn-Spiel-Automaten" konnten dieses Loch nicht stopfen, da sie, nebst immenser Anschaffungskosten und überhöhter Gebühren, innert kürzester Zeit von den Spielern geleert werden konnten, worauf wir diese Geräte wieder entfernen mussten.

Auch haben wir in der Zwischenzeit  alle unsere Liegenschaften verkauft und müssen nun nicht mehr horrende Amortisationen, unaufhörliche Instandhaltungskosten und Wucher-Zinsen berappen, die uns noch mehr ins Verderben ziehen würden.

Einziger Lichtblick nach langer Durststrecke kam dann von einer renomierten, österreichischen Firma, der TAB-Austria, die neu Online-MP3-Musikboxen vertrieb. Wir stellten ziemlich schnell fest, dass diese Geräte genau wie damals die ersten Singles- oder CD-Boxen der absolute Renner sind, und exakt den Puls der Zeit treffen, da der Gast selbst aus einer riesigen Fülle von Songs und Videos seine Lieblinge vom Internet auf die Festplatte herunterladen kann.

Am 29. Jan. 2007 ist dann mein Vater René sen. nach kurzer Krankheit im Alter von 81 Jahren gestorben. Ich möchte an dieser Stelle all den vielen Angehörigen, Freunden, Bekannten und Kunden danken, die so zahlreich an der Trauerfeier in Frauenfeld teilgenommen haben. Es war für uns alle ein schwieriger Abschied von einem grossartigen Mitmenschen, der in seinem Leben sehr viel bewegt und erreicht hat.

Nachdem ich nun alleine mit dem Automatengeschäft betraut war, musste ich mich nach einer kleineren und günstigeren Werkstatt umschauen, die ich dann auch im Sommer 2007 in Islikon gefunden habe. Da ich mit meiner Frau Jolanda und meinen beiden Kindern Randy und Zoe schon seit 2004 in Islikon wohnte, schien dies dann auch die ideale Lösung zu sein, viel Zeit und Weg einsparen zu können. Im Oktober 2007 konnte dann dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt werden und die neue Werkstatt und das Lager befinden sich nun an der Gachnangerstr. 5a in Islikon.

Meine Mutter Elfriede regelte bis Ende 2016 sämtliche administrativen Arbeiten, sowie alle anfallenden Bankgeschäfte. Da Sie aber gesundheitlich schwer angeschlagen ist, musste Sie Ihre Tätigkeiten in der AFRA  AG aufgeben. Daraufhin habe ich Anfang Februar 2017 den Sitz der AFRA  AG von Frauenfeld nach Islikon verlegt und bewerkstellige nun auch sämtliche Büroarbeiten etc. selber.

Am 21.Mai 2017 ist meine liebe Mutter Elfriede (Elfi) im Alter von 72 Jahren dann verstorben und von ihrem langen Leiden erlöst worden. Sie war stets der Mittelpunkt des Betriebes und der Familie, war immer fair und respektvoll, perfekt von Kopf bis Fuss gekleidet, eine echte Lady, eine Lichtgestalt, ein wahrer Engel und wurde von allen bewundert. Ich möchte hiermit allen Trauergästen meinen tiefsten Dank aussprechen, die uns in dieser schweren Zeit unterstützt, Trost gespendet und Mut zugesprochen haben. Sie wird in unseren Herzen ewig weiterleben.

Somit ist aus unserem mittelgrossen Geschäft ein Ein-Mannbetrieb geworden, der mir aber wieder Mut gibt, die Zukunft mit ihnen gemeinsam in Angriff zu nehmen, denn ich werde nicht müde, immer wieder innovative Ideen und Wege auf dem Markt umzusetzen.

Die AFRA AG besteht aus:

René Theiler jun.  VR-Präsidentin

Mit freundlichen Grüssen

René Theiler jun.

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